Mein Bericht Fichkona 2013


Heute neu im Kopfkino:
Vorstellung Sa 20.00 Uhr: "Warum tue ich mir das an"
Vorstellung So 03.00 Uhr: "Wie lange noch bis zu nächsten Rast ?"
Vorstellung So 08.00 Uhr: " So lange die Räder uns tragen"
Vorstellung So 10.07 Uhr: "Bier her, oder ich fall um"

Wenn man ewig lange über etwas redet, sollte man dies eben auch mal machen.
Also meldete ich mich mit Dirk im Dezember für die 2013ner Fichkona an. Da die Teilnahme
ausgelost wird sahen wir dies vorerst ganz relaxtůvorerst.

Kurze Zeit später standen wir auf der Teilnehmerliste und die Gefühle von Freude sowie Aufregung
wechselten wie der Hormonspiegel einer schwangeren Frau.

Aber wir wollten es ja so!

Im Januar begannen wir pflichtbewusst zu Hause auf Rolle sowie Ergometer fleißig Kilometer
zu sammeln. Für die mentale sowie theoretische Vorbereitung stellte ich den Kontakt zu
Ingo Barthel her, der die Fichkona schon 8 mal gefahren war. Dank ihm fielen wir nicht ganz so ins
kalte Wasser. Nachdem das Jahr 2013 nicht gerade mit super Wetter zum trainieren glänzte erreichte
ich eine Woche vor der Fichkona eine Kilometerleistung von 5000km. Ich hoffte das reicht.
Der 29.06. rückte immer näher, die Anspannung stieg leicht und täglich schaute ich mir die
Wetterprognose an. Erik fuhr Dirk und mich morgens auf den Fichtelberg und es war schon ein buntes
Treiben zu sehen. Nachdem der Veranstalter vorm Start die Regeln und Vorsichtsmaßnahmen bekannt
gab ging es mit läuten der Friedensglocke pünktlich um 10.00 Uhr bei leichten Regen und 6°C los.
Nicht gerade die besten Startbedingungen für eine Tour über 600km.

Aber wir wollten es ja so!

Mit einem kleinem Umweg über Tschechien rollten wir über die B95 bis zur ersten kleineren Pause
in Herold. Danach erreichten wir über Einsiedel kommend Chemnitz und mussten uns ohne
Polizeieskorte durch den Ampeldschungel kämpfen. Dabei hatten unsere Führungsfahrzeugen extrem
viel zu tun, was nicht ungefährlich war. Chemnitz ist eben keine Fahrradfreundliche Stadt.
Im Chemnitztal jubelten uns Marco, Jana, Heiko, Danny, Erik zu und wir fuhren bis zur ersten Rast bei
Bernsdorf. Dort stärkten wir uns und trafen Jürgen der uns mit dem Motorrad ein Stück begleiten
wollte. Bei der dortigen Gruppeneinteilung beschlossen wir in Gruppe 2 die Fichkona zu bestreiten
und es ging weiter bei besserem Wetter weiter Richtung Norden. Wir fuhren bis zur zweiten Rast in
Eisenhammer mit an der Spitze des Feldes und Jürgen machte wie der rasende Reporter
"Harry Hirsch"
Bilder von uns. An der Spitze des Feldes bekamen wir jedoch oft einen Anschiss vom Kapitän
mit den Worten " ů die 60er Oberschenkel sollen mal etwas Tempo rausnehmen,
der Rest hängt hinterher"
. In Eisenhammer starten wir weiter Richtung Potsdam und es begann sich
das Wetter von seiner unangenehmen Seite zu zeigen. Mit lang anhaltendem Regen und einem
großen Sturz im Hauptfeld mit Rippenbruch, sowie einem zum Glück nur Ausrutscher Sturz von Dirk
erreichten wir den dritten Verpflegungspunkt vor Potsdam. Dort wartete bereits eine Polizeieskorte
auf uns und durch den Zeitverzug blieb kaum Zeit für Essen und Kleiderwechsel. Es hieß nur schnell
Licht ran und mit nasser Kleidung bei Regen weiterfahren. Das beschriebene Highlight einer
jubelnden Stadtdurchfahrt durch Potsdam fiel durch das miese Wetter eher dürftig aus.
Schade, gerade darauf habe ich mich gefreut, aber wer steht bei dem Wetter schon gern draußen.
Nur ein paar verrückte Radfahrer kurven bei dem nassen Wetter draußen rum und klappern auf dem
Rad sich einen ab.

Aber wir wollten es ja so!

Durch die sehr kurze Rast und die dadurch geringe Nahrungsaufnahme fuhr ich mich in diesem
Abschnitt etwas in ein Hungerloch. Ich merkte sofort wie die Kraft in den Beinen nachließ und ein
leichtes Gefühl von Krämpfen aufkam. Bis zur vierten Rast in Gransee waren es aber noch einige
Kilometer. Mit knurrenden Magen, nasser Kleidung sowie schweren Beinen begann die mentale
Belastung zu wirken. Umso mehr ich in meinen Körper hineinhörte und jedes Stechen wahrnahm,
umso mehr steigert man sich in ein Tief. Ich versuchte mich durch quatschen mit Dirk oder anderen
Radlern abzulenken, erreichte den Verpflegungspunkt Gransee und atmete erst mal tief durch.
Dort wechselten wir die nasse Bekleidung, ich futterte so viel es ging in mich hinein,
nahm eine Supradyn Energietablette, lockerte meine Beine, gab meinem Hinterteil noch etwas
Schmierung und weiter ging die Fahrt durch die Nacht. Zur Vorsorge packte ich mir gleich
2 Kohlenhydratriegel in die Tasche mit ein. Ich fühlte mich gleich wieder besser und die Beine
funktionierten wieder bestens. Es ist schon erstaunlich wie sich der Körper bei stetiger
Energieabgabe so wieder regeneriert und zu Kräften kommt.
Durch das schlechte Wetter war die Stimmung in der Nacht nicht so super, aber Dirk und ich
versuchten mit quasseln die Zeit zu vertreiben. Zum Glück regnete es nicht mehr und wir kamen nach
445km zur fünften Rast in Altentreptow um 3.58 Uhr an. Wir stärkten uns mit Kaffee, Nudeln und
Suppe und weiter ging die Fahrt in die Morgenstunden.
Als wir Demnin durchquerten wurde es zunehmest heller und bei Stralsund überquerten wir
die Ostsee auf dem alten Rügen Damm. Auf Rügen ging es an der Spitze des Feldes weiter bis
nach Samtens zum letzten Verpflegungspunkt. Dort wurde der Rest der Gruppe 2 aufgeteilt
in die Fahrer, die es noch unter 24 Stunden ins Ziel schaffen wollen und diejenigen die es normal
zu Ende fahren. Wir und viele andere wollten die letzten 50km bis ins Ziel normal fahren und
begannen nach 10min Pause mit der Weiterfahrt. Die letzten Kilometer bis ins Ziel fuhr ich mit Dirk
und Ingo wieder an der Spitze und wir zogen den Rest der Gruppe 2 bis ins Ziel.
Als wir um 10.07 Uhr mit 616 km auf der Uhr das Ziel erreichten gratulierten wir uns
und waren mega happy.

Am dortigen Imbiss stießen wir mit einem Belohnungsbier und einer Roster an, machten einige
Erinnerungsfotos und fuhren von dort ins Feriencamp nach Juliusruh. Abends gab es noch eine
Auswertung vom Veranstalter. Dort wurde ein Resümee über die aktuelle Fichkona gezogen,
berichtet von 145 Finishern, Verletzungen der Sturzopfer sowie geschichtliches zur Fichkona.
Es sprachen die Gruppenkapitäne und einige ältere Fahrer und es wurde sich bei allen Helfern
und Mitwirkenden bedankt. Am Montag frühstückten wir und fuhren danach mit einem Reisebus
wieder bis nach Chemnitz.
Alles vom Veranstalter organisiert. Dem ich ein riesen Lob aussprechen muss,
dies alles so zu planen und durchzuführen ist schon Klasse. Es kam trotz der Menge der Fahrer
eine spaßige und familiäre Stimmung zu Stande. Dies war gerade beim diesjährigen Regenwetter
nicht so einfach und so wurde eine der härtesten Fichkonas doch noch mit dem einen oder
anderem Lachen bewältigt.
Es hilft da ja kein Jammern oder Meckern, dennů

Aber wir wollten es ja so!

Besonders bedanken möchte ich mich nochmal bei den Teammitgliedern die uns im
Chemnitztal angefeuert haben, Erik für den Transport zum Fichtelberg und Harry Hirsch Jürgie.
Eure Unterstützung brachte noch ein paar Körner für den Weg zum Kap Arkona,
vielen Dank.
Irgendwann werde ich die Fichkona noch einmal bestreiten, so etwas muss man erlebt haben.

LG und Kette rechts.
Euer Lars
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