Meine Vier Hübel Tour 2014 - oder was Rad fahren mit Pizza backen gemeinsam hat.


In meiner jährlichen Radsaison, gehört die Vier Hübel Tour zum ultimativen Highlight für kräfteraubendes, schneller, höher und weiter radeln. Da ich sonst mit maximalen Renndistanzen nicht zu tun habe, sind die 85km und 2200hm auf Zeit schon eine maximale Ausreizung an mentaler und körperlicher Kraft. Ganz klar zählt bei meiner 3. Teilnahme eine Verbesserung der Vorjahreszeit, wo ich inkl. Platten 4:15:12 Std gefahren bin, zwingend im Vordergrund. Mit leichterem Rad und guter Vorbereitung müsste ich doch an die 4 Stunden ran radeln können…dachte ich. Am Wochenende zuvor reisten wir als Team 278km und 4451hm durch das Erzgebirge und die Tschechei. Nochmal eine gute Vorbereitung für die VHT…dachte ich. Nach dieser Ausfahrt fuhr ich ohne Pause sofort weiter und schonte mich nicht. Der Plan war, …weiter im Tritt bleiben, oder …die Form halten…dachte ich. Am Tag der VHT fuhren dann also Jürgen, Dirk, Erik und ich zum regnerischen Oberwiesental und parkten unsere Autos oben am Fichtelberghaus. Bei 6°C und Regen fuhren wir zum Start runter in den Ort. Aufgrund des Wetters entschied ich mich nach langem hin und her für Beinlinge und zusätzlicher Jacke. So geht es eigentlich nur Frauen vorm Kleiderschrank, wenn sie auf eine Geburtstagsfeier gehen. Als später nach dem Start die Sonne zum Vorschein kam, schwitzte ich so sehr, man hätte Gemüse unter meiner Jacke garen können. Ich dachte, suuuper Lars, das kann ja was werden. Mit Teamjacke, angerauten Beinlingen und Thermocreme schnaufte ich mich am Bärenstein in die Pulsspitzen und klang wie die Fichtelbergbahn. Das Gleiche wiederholte sich am sonnigen Pöhlberg und es überholte mich ein Fahrer nach dem anderen. Am Scheibenberg warteten geplanter Weise meine Eltern und ich riss mir Jacke, Kopftuch sowie lange dünne Handschuhe vom Leib und freute mich auf klimatisiertere restliche 40km. Doch als ich in Markersbach vom Unterbecken hinauf zum Oberbecken fuhr, merkte ich wie die Akkus in den Oberschenkeln zunehmend alle wurden. Der Blick aufs Navi sagte noch 25km und so wie ich mich dabei fühlte wurden die nicht easy. Ich nahm einen Gang raus und kurbelte etwas kraftsparender bis zum Oberbecken. Jetzt konnte ich etwas durchatmen und die Abfahrt bis zum Ephraimshaus war eine Wohltat für meine Oberschenkel. Jetzt nur noch ca. 20km, ja wenn diese nicht von 556 Meter Höhe auf 1174 gingen, wäre das kein Problem. Nach ein paar Kilometern meldete mein linker Oberschenkel Alarmzustand und ein Krampf traf mich wie ein Betäubungspfeil. Ich stand an der Auffahrt wie gelähmt und nix ging mehr. Ganz toll, und noch 15km bis zum Ziel. Doch jetzt war ich erstmal die Zielscheibe von Kommentaren anderer Biker. Mit "Mach dich locker", oder "zieh nicht so ein verkrampftes Gesicht" fühlt man sich nicht besser. Doch als ich weiter Richtung Tal schaute traute ich meinen Augen nicht. Es näherte sich ein Mädchen auf dem Rad und ich dachte den Gipfel an Scham erreicht zu haben. Um das Rad wegen einem Fake-Platten auf den Kopf zu stellen oder eine Blasenschwäche am Baum vorzutäuschen, konnte ich mich ja in diesem Moment nicht bewegen. Ich lächelte nur kurz und mein Selbstbewusstsein lief auf Grund. Wenn jetzt nicht zufällig ein künstlicher Fingernagel einreist, oder sich mindestens 50 Freundschaftsanfragen via Facebook bei ihr melden bin ich geliefert. Mein Bro-Codex 153 "Gewinne immer vor einer Frau" wird gerade gebrochen. Ich bilde mir ein, Sabine Spitz fährt im Erzgebirge Under Cover und stieg wieder aufs Rad. Beim Durchgang der körperlichen Checkliste sprang die gerade noch rot blinkende Oberschenkel-Warnleuchte wieder auf gelb und weiter gings. Als dann noch 10km vorm Ziel am Pfahlberg es mit Regen und 6°C echt ungemütlich wurde, sehnte ich mir meine abgegebenen Kleidungsstücke wieder herbei. Noch nie hab ich mir so sehr gewünscht bald im Ziel zu sein. Daran konnte diesmal die weiße Ziege, 4km vorm Ziel, auch nichts ändern. Kurz vorm Ziel fuhr ich dann auf dem asphaltierten Sudeterweg in Richtung Reitsteig. Na toll dachte ich, wenn es diesmal dort die letzten Meter für die Zuschauer geben soll, kann ich mir jemand für meine entkrampfenden Dehnungen raussuchen. Doch die Strecke bog wieder ab Richtung alten Weg und mit Hilfe meines kleinen linken Rettungsringes erreichte ich nach 4:28:11 Std das Ziel. Ich schnallte mit eiskalten Fingern das Rad auf den Träger, zog mir trockene Sachen an und freute mich auf meinen Teller Nudeln. Als dann im Abstand Jürgen, Dirk und Erik ins Ziel kamen war ich froh alle unverletzt zu sehen und wir verspeisten unsere Nudeln zusammen im warmen Fichtelberghaus. Am Ende bin ich etwas unzufrieden, da ich mein Ziel auch ohne Platten nicht geschafft habe und mich diesmal mehr gequält hatte als letztes Jahr. Ich hätte mich nach unserer Transost mehr erholen sollen und Kräfte sammeln müssen. Denn einen richtigen Pizzateig macht man auch einen Tag vorher, lässt ihn ruhen bis es später heiß zur Sache geht. Vielen Dank an die Organisation und alle Helfer für diese geile Quälerei, sowie an Lisa Schubert vom MEDICA Triathlon Team Leipzig die meinen Ehrencodex gebrochen hat, top Leistung, Glückwunsch!!!

Mit sportlichem Gruß, Euer Lars